Leitungswasser in Deutschland: Wie gut ist es wirklich?
Deutsches Trinkwasser: Strengste Kontrollen, trotzdem Fragezeichen
Deutschland hat eines der am besten überwachten Trinkwassersysteme der Welt. Die Trinkwasserverordnung (TrinkwV) schreibt regelmäßige Untersuchungen auf über 50 Parameter vor – von Schwermetallen über Pestizide bis hin zu Bakterien. Trotzdem greifen Millionen Deutsche zu Wasserfiltern oder kaufen Flaschenwasser. Ist das übertrieben – oder gibt es berechtigte Gründe zur Vorsicht?
In diesem Artikel schauen wir uns an, was wirklich im deutschen Leitungswasser steckt, wo die Schwachstellen liegen und wann ein Wasserfilter sinnvoll sein kann.
Was die Trinkwasserverordnung regelt
Die TrinkwV setzt auf Basis der EU-Trinkwasserrichtlinie strenge Grenzwerte für alle relevanten Stoffe im Trinkwasser. Dazu gehören:
Mikrobiologische Parameter
- E. coli und Enterokokken: 0 pro 100 ml (Nulltoleranz)
- Coliforme Bakterien: 0 pro 100 ml
- Legionellen: max. 100 KBE/100 ml (in Warmwassersystemen)
Das deutsche Trinkwasser ist in der Regel frei von krankheitserregenden Keimen. Die Wasserwerke desinfizieren bei Bedarf mit Chlor, UV-Licht oder Ozon.
Chemische Parameter (Auswahl)
| Stoff | Grenzwert TrinkwV | Zum Vergleich: WHO |
|---|---|---|
| Blei | 10 µg/l | 10 µg/l |
| Kupfer | 2 mg/l | 2 mg/l |
| Nitrat | 50 mg/l | 50 mg/l |
| Arsen | 10 µg/l | 10 µg/l |
| Pestizide (einzeln) | 0,1 µg/l | variiert |
| Uran | 10 µg/l | 30 µg/l |
Die deutschen Grenzwerte sind bei den meisten Parametern genauso streng oder strenger als die Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Das Wasser wird regelmäßig von unabhängigen Laboren geprüft, und die Ergebnisse sind öffentlich einsehbar.
Wo kommt unser Trinkwasser her?
Die Herkunft des Trinkwassers variiert je nach Region:
- Grundwasser (ca. 61 %): Die wichtigste Quelle. Grundwasser ist von Natur aus gut gefiltert, da es durch verschiedene Gesteinsschichten sickert.
- Oberflächenwasser (ca. 30 %): Aus Talsperren, Seen und Flüssen. Erfordert aufwändigere Aufbereitung.
- Quellwasser (ca. 9 %): Natürlich austretendes Grundwasser, oft besonders sauber.
Die Aufbereitung im Wasserwerk umfasst je nach Rohwasserqualität verschiedene Stufen: Filtration, Belüftung, Entsäuerung, Aktivkohlefiltration und bei Bedarf Desinfektion. Das Ergebnis ist ein Trinkwasser, das die strengen Grenzwerte zuverlässig einhält.
Was die Trinkwasserverordnung nicht regelt
So umfassend die TrinkwV auch ist – es gibt Lücken und Grenzen:
Medikamentenrückstände
Rückstände von Arzneimitteln wie Schmerzmitteln (Ibuprofen, Diclofenac), Hormonen (Ethinylestradiol aus der Antibabypille) und Antibiotika werden im Trinkwasser regelmäßig nachgewiesen – allerdings in extrem geringen Konzentrationen im Nanogramm-Bereich. Die TrinkwV enthält für die meisten Arzneimittel keine Grenzwerte, da die gemessenen Mengen weit unter toxikologisch relevanten Schwellen liegen.
Trotzdem ist die Langzeitwirkung dieser Spurenstoffe in Kombination wissenschaftlich noch nicht abschließend bewertet. Das Umweltbundesamt forscht intensiv an diesem Thema.
Mikroplastik
Mikroplastik-Partikel wurden in deutschen Trinkwasserproben nachgewiesen, allerdings in sehr geringen Mengen – deutlich weniger als etwa in Flaschenwasser. Die gesundheitliche Bewertung steht noch aus. Die WHO stufte die gemessenen Konzentrationen bisher als unbedenklich ein, empfiehlt aber weitere Forschung.
PFAS (Ewigkeitschemikalien)
Per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS) sind chemisch extrem stabile Verbindungen, die in der Umwelt kaum abgebaut werden. Sie finden sich in Teflonpfannen, Outdoor-Kleidung und Löschschaum. PFAS wurden auch in deutschen Trinkwasserproben nachgewiesen – besonders in der Nähe von Industriestandorten und Militärflughäfen.
Seit 2023 gelten in der TrinkwV erstmals Grenzwerte für bestimmte PFAS (0,1 µg/l für die Summe von 20 PFAS-Einzelsubstanzen). Ein wichtiger Schritt, aber Experten halten die Grenzwerte teilweise für zu hoch.
Nitrat
Nitrat gelangt hauptsächlich durch Düngung in der Landwirtschaft ins Grundwasser. Der Grenzwert von 50 mg/l wird in Deutschland an den allermeisten Messstellen eingehalten. In intensiv landwirtschaftlich genutzten Gebieten können die Werte jedoch erhöht sein. Besonders betroffen sind Teile Niedersachsens, Nordrhein-Westfalens und Schleswig-Holsteins.
Für Säuglinge ist erhöhtes Nitrat besonders problematisch, da es im Körper zu Nitrit umgewandelt werden kann. Familien mit Babys in betroffenen Regionen sollten die lokalen Messwerte im Blick behalten.
Das Problem der „letzten Meile”
Ein entscheidender Punkt, der oft übersehen wird: Die Trinkwasserverordnung garantiert die Wasserqualität bis zum Hausanschluss. Ab dort ist der Eigentümer verantwortlich. Und genau hier können Probleme entstehen:
Bleirohre in Altbauten
In Häusern, die vor 1973 gebaut wurden, können noch Bleileitungen verbaut sein – besonders in Norddeutschland und den östlichen Bundesländern. Blei im Trinkwasser ist gesundheitsschädlich, insbesondere für Kinder und Schwangere. Seit 2013 gilt ein Grenzwert von 10 µg/l.
Wenn du in einem älteren Haus zur Miete wohnst und unsicher bist, kannst du deinen Vermieter fragen oder beim Gesundheitsamt eine Wasseranalyse beauftragen (Kosten: ca. 30–80 EUR).
Kupferrohre
Kupferleitungen sind weit verbreitet und grundsätzlich unbedenklich. Bei weichem, saurem Wasser (pH unter 7,0) können sie jedoch erhöhte Kupferwerte abgeben – erkennbar an einer leicht grünlichen Verfärbung nach längerem Stagnieren.
Stagnationswasser
Wasser, das über Nacht oder während eines Urlaubs in den Leitungen steht, kann erhöhte Metallwerte aufweisen. Ein einfacher Trick: Morgens das Wasser kurz laufen lassen (ca. 30 Sekunden), bevor du es zum Trinken oder Kochen verwendest.
Leitungswasser vs. Flaschenwasser
Viele Deutsche kaufen Mineralwasser in Flaschen, weil sie es für sicherer oder gesünder halten. Die Fakten sprechen eine andere Sprache:
| Kriterium | Leitungswasser | Flaschenwasser |
|---|---|---|
| Kontrolldichte | Sehr hoch (TrinkwV) | Geringer (Mineral- und Tafelwasserverordnung) |
| Grenzwerte | 50+ Parameter | Weniger streng bei einigen Stoffen |
| Preis pro Liter | ca. 0,2 Cent | 13–80 Cent |
| Umweltbilanz | Sehr gut | Schlecht (Transport, Verpackung) |
| Mikroplastik | Gering | Oft höher (PET-Flaschen) |
Leitungswasser ist in Deutschland günstiger, strenger kontrolliert und umweltfreundlicher als die meisten Flaschenwasser. Wer den Geschmack verbessern möchte, fährt mit einem Wasserfilter deutlich besser als mit Flaschenwasser.
Wann ist ein Wasserfilter trotzdem sinnvoll?
Auch wenn deutsches Leitungswasser grundsätzlich sicher ist, gibt es gute Gründe für einen Filter:
- Hartes Wasser: Ein Tischwasserfilter wie der BRITA Marella oder BWT Vida reduziert Kalk und verbessert den Geschmack von Tee und Kaffee spürbar
- Altbau mit unbekannten Leitungen: Ein Filter mit Ionentauscher reduziert Blei und Kupfer als zusätzliche Sicherheitsmaßnahme
- Chlorgeschmack: In manchen Regionen wird dem Wasser Chlor zugesetzt. Aktivkohlefilter entfernen es zuverlässig
- Spurenstoffe reduzieren: Wer Medikamentenrückstände und PFAS minimieren möchte, kann mit einem hochwertigen Filter wie dem Philips AWP2980 einen Teil dieser Stoffe reduzieren
- Flaschenwasser ersetzen: Gefiltertes Leitungswasser ist günstiger und umweltfreundlicher als Flaschenwasser
So findest du deine lokale Wasserqualität heraus
Deine Wasserqualität kannst du einfach nachprüfen:
- Website deines Wasserversorgers: Dort sind die aktuellen Analyseergebnisse veröffentlicht – meist als PDF zum Download
- Umweltbundesamt: Die Datenbank „Trinkwasser” enthält Messergebnisse aus ganz Deutschland
- Eigene Wasseranalyse: Für ca. 30–80 EUR kannst du eine Probe an ein Labor schicken und detaillierte Ergebnisse erhalten
- Teststreifen: Für einen schnellen Check der Wasserhärte und Grundparameter gibt es günstige Teststreifen in Apotheken und Drogerien
Fazit: Sehr gut – aber nicht perfekt
Deutsches Leitungswasser gehört zum Besten der Welt. Die strenge Trinkwasserverordnung, regelmäßige Kontrollen und eine hochmoderne Wasseraufbereitung sorgen dafür, dass du es bedenkenlos trinken kannst. Die Qualität ist in den meisten Fällen mindestens gleichwertig mit teurem Flaschenwasser.
Trotzdem gibt es berechtigte Gründe, sein Wasser zusätzlich zu filtern – sei es wegen hartem Wasser, alten Hausleitungen oder dem Wunsch, Spurenstoffe zu minimieren. Ein guter Tischwasserfilter ist die einfachste und günstigste Möglichkeit, die ohnehin gute Wasserqualität im eigenen Haushalt noch ein Stück zu verbessern. Und er spart nebenbei eine Menge Geld und Plastik gegenüber Flaschenwasser.